Erste Details über Russlands neues Kreditkartensystem

21.08.2014

Als Folge der sogenannten Krim-Krise führten die von den USA und der Europäischer Union gegen Russland verhängten Sanktionen unter anderem auch zu Streitigkeiten im Bereich des internationalen Zahlungsverkehrs. Bereits Anfang März führten VISA und Mastercard keine Transaktionen mehr für russische Kunden aus. Nun veröffentlichte Russland Details zu einem neuen, eigenen Zahlungssystem für Kreditkarten.

Was bisher geschah…

Die Krim-Krise in der Ukraine blieb auch für Russland bislang keineswegs ohne Folgen. Nachdem die USA und die Europäische Union eine Liste von Personen veröffentlichten, gegen welche persönliche Sanktionen verhängt werden sollten, waren auch VISA und Mastercard in Zugzwang. Denn die US-Kartengesellschaften wickelten in Russland unter anderem auch Zahlungen für Kunden von Banken ab, deren Inhaber bzw. Großaktionäre auf besagten Sanktionslisten standen. Letztlich entschied man sich, die Dienstleistungen für betroffene Bankhäuser einzustellen, worauf Russland mit scharfer Kritik und zudem prompt auch mit einem neuen Gesetz reagierte. Dieses sollte es ausländischen Kartenanbietern zukünftig erschweren, auf dem russischen Markt tätig zu sein und spitze die angespannte wirtschaftliche Lage enorm zu. Erst als die ersten globalen Kartenanbieter drohten, sich gänzlich aus dem Land zurückzuziehen, ruderte Russland zurück und verschob die Problematik auf (vorerst) 2016. 



Neue Erkenntnisse

Schon im Zusammenhang mit den im März erlebten Streitigkeiten kündigte Moskau die Einführung eines eigenen Kreditkartensystems an. Ausländische Dienstleistungen auf dem Bankensektor sollen dadurch durch ein landeseigenes System ersetzt werden. Nun wurden aktuelle Pläne dazu veröffentlicht. Danach wird die staatliche Sberbank, die zugleich das landesweit größte Bankhaus darstellt, zukünftig eigene Kreditkarten ausgeben. Diese greifen auf das sogenannte PRO100-System zurück, das nun auch als Alternative zu Mastercard und VISA eingesetzt werden soll. Die PRO100-Karten werden künftig in ganz Russland akzeptiert und sind darüber hinaus auch im Ausland einsetzbar. Ziel der Bank ist es, 50 Prozent des Bankkartenverkehrs im Land über dieses System abzuwickeln.



Bisher relativ unbeliebtes Kartensystem

In der Vergangenheit bot die Sberbank ihren Kunden bereits PRO100-Karten an – allerdings mit mäßigem Erfolg. Nur ca. 800.000 Exemplare davon sind derzeit im Umlauf. Bislang sind die Karten also nur wenig beliebt. Ein Grund dafür dürfte darin liegen, dass diese bisher nur im Inland eingesetzt werden konnten. Viele Russen griffen (zumindest ergänzend) auf eine Kreditkarte von Mastercard oder VISA zurück.

Dies soll sich nun ändern. Um die PRO100-Karten international nutzbar zu machen, benötigt die Sberbank eine im Ausland ansässige Partnerbank, die einen Zugang zum globalen Zahlungsverkehr ermöglicht. Als sehr wahrscheinlich gilt, dass dies eine chinesische Großbank sein wird. Aktuelle Probleme russischer Banken könnten die Realisierung beschriebener russischer Pläne jedoch womöglich deutlich erschweren. So wurde die Aktie der mit Sanktionen belegten Sberbank aus dem britischen FTSE-Index ausgeschlossen. MSCI legt seit Jahresbeginn neue Indizes nur noch ohne russische Unternehmen auf. Weitere Folgen und deren wirtschaftliche Auswirkungen für das russische Bankhaus bleiben deshalb wohl abzuwarten.