Finanzielle Sanktionen - Russland bald mit eigenen inländischen Kreditkarten?

07.04.2014
Bildquelle: Anatoliy Babiychuk | Dreamstime Stock Photos

Angesichts der aktuellen Entwicklung bezüglich der sogenannten Krim-Krise haben die USA und die Europäische Union diverse Sanktionen gegen Russland verhängt. Die meisten dieser Maßnahmen prallen an den Verantwortlichen scheinbar ab – zumindest nach außen hin. Finanzielle Sanktionen scheinen jedoch (erste) Wirkung zu zeigen.

Schmerzliche Einschränkungen im Zahlungsverkehr mir Kreditkarten

Aufgrund der Tatsache, dass auch russische Bankhäuser auf der von EU und USA angefertigten Sanktionsliste stehen, gab es vor allem im Bereich des internationalen Zahlungsverkehrs umfangreiche Auswirkungen. So hatten vor Kurzem VISA und MasterCard - zwei der größten Kreditkartenunternehmen der Welt - vorübergehend Ihre Dienstleistung für Kunden zweier großer russischer Banken eingestellt. Vor allem, wenn diese zu der Zeit im Ausland unterwegs waren, kam es zu durchaus unangenehmen Folgen für russische Bankkunden. 

Zwar haben MasterCard und VISA nach starker Kritik ihre Einschränkungen teilweise wieder aufgehoben. Für eine der Banken bzw. deren Kunden bleiben die Sanktionen jedoch bestehen – auf zunächst unbestimmte Zeit. Die betreffenden Bankhäuser waren vor allem aufgrund ihrer Nähe zur russischen Staatsführung ins Visier von USA und EU geraten. Erst vor einigen Tagen reagierte Präsident Putin persönlich scharf auf die vorgenommenen Schritte. Er drohte damit, dass Russland „den Schutz eines nicht-Dollar-basierten Systems“ suchen würde, wenn der Westen weiterhin versuchen sollte, das Land wirtschaftlich zu isolieren. Mögliche Schritte wären unter anderem die Schaffung eines eigenen nationalen Zahlungssystems inklusive russischer Kreditkarten. Dadurch würde dem Westen ein „lukrativer Markt wegbrechen“.


Weitere „Probleme“ bestehen im Finanzsektor

Aus Sicht Russlands sind aufgrund der Krise jedoch durchaus noch weitere Problemfelder entstanden. So wurde bekannt, dass Anleger in Summe Milliarden aus Sicherheitsgründen aus dem Land abziehen. In diesem Zusammenhang warnte die Weltbank davor, dass bei neuen Sanktionen ein Abzug weiterer Gelder sehr wahrscheinlich sei. Schätzungen in Höhe von bis zu 150 Milliarden waren diesbezüglich im Gespräch. Aufgrund dieser Entwicklungen sackte der Kurs des Rubels zwischenzeitlich auf historische Tiefs ab.

Um Gelder ins Land zu holen, existieren derzeit mehrere Vorschläge. Valentina Matwijenko – die Föderationsratschefin – schlug beispielsweise vor, eine "Steueramnestie für Kapital" einzuführen, um wieder mehr Investitionen nach Russland zu holen. Danach sollen Investitionen in im Ausland ansässige Offshore-Firmen für Betroffene straffrei bleiben, wenn diese das entsprechende Kapital ins Land zurückholen. Was die aktuellen Entwicklungen der Kapitalströme betrifft, setzt Russland also vor allem auf seine inländischen Geschäftsleute. Dass solche Maßnahmen ausreichen, um die aktuellen Entwicklungen entscheidend zu beeinflussen, bleibt jedoch abzuwarten.