Girokonto: Nicht allein wegen attraktiver Prämie wechseln

05.06.2014
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Der in den letzten Jahrzehnten zunehmende Konkurrenzdruck unter den Banken, hat vor allem auch zu ganz verschiedenen Neukundenangeboten geführt. Dazu gehören beispielsweise Prämien im Falle einer Girokontoeröffnung (ggf. Kontonutzung mit Gehaltseingang). Mit immer höheren Belohnungen locken diese Bankhäuser. Teilweise werden von einigen Anbietern sogar bereits bis zu 100 Euro geboten. Dazu gehören beispielsweise die Commerzbank und die Postbank.

Allerdings hat diese Tendenz, also der ständige Kampf um Neukunden, zweifellos auch Nachteile für Kunden. Georg Wübker, Bankenspezialist der Unternehmensberatung Simon Kucher, meint, dass es gerade bei Privatbanken immer öfter zur Schließung von Filialen kommt. Seiner Meinung nach sei dies eine direkte Auswirkung des aktuell immer noch stattfindenden Preiskampfs.

 

Girokonto = Minusgeschäft

Der Grund von Filialschließungen liegt im Wesentlichen im steigenden Kostendruck. Werden attraktive Neukundenangebote auch in Zeiten sehr niedriger Zinsen aufrechterhalten, setzt sich der betreffende Anbieter praktisch selbst unter enormen Finanzdruck. Denn vor allem aufgrund der aktuellen Zinslage zählen Girokonten nicht mehr zu den ertragreichen Geschäften für Bankhäuser - ganz im Gegenteil. Je nach individueller Kontoführung u.s.w. muss die Bank sogar deutlich draufzahlen. Kosten und Erlöse stehen aktuell kaum noch im Verhältnis. Erst recht dann, wenn das auf dem Konto befindliche Guthaben dem Kunden sogar noch verzinst wird.

So kommt es zwangsläufig dazu, dass die betreffenden Banken ihren Verlust auf anderem Wege kompensieren müssen. Einerseits mit den erwähnten Filialschließungen, worunter der gebotene Service zwangsläufig leidet. Andererseits werden betroffene Kreditinstitute immer wieder versuchen, auch andere Produkte mit ihren Girokontokunden abzuschließen - zum Beispiel Kreditkarten, Versicherungen oder Geldanlageprodukte. Führen Sie solch ein Girokonto, werden Sie also zum Beispiel immer wieder entsprechende Werbeangebote per Post erhalten. Ein Vorgehen, das Banken und Sparkassen seit der Finanzkrise eigentlich eindämmen wollten.

 

Weitere negative Nebeneffekte

Erhalten neue Kunden einer Bank attraktive Prämien, stellt sich ein sehr negativer Nebeneffekt ein. Denn aus der Sicht eines Stammkunden des betreffenden Hauses sind solche Aktionen verständlicherweise ärgerlich. Aus dessen Perspektive wird Treue praktisch nicht belohnt. Dieser kaum zu vermeidende Nebeneffekt hat seinerseits dazu geführt, dass es zur Abwanderung von Kunden kam, wenn von Banken außergewöhnlich attraktive Neukundenangebote aufgelegt wurden.

An diesem Punkt beginnt ein Kreislauf, der zu großen wirtschaftlichen Nachteilen für den Anbieter führen kann. Denn der auf diese Weise verlorene Kundenanteil muss wiederum mit der begonnenen Neukundenaktion kompensiert werden, damit sich die Aktion unter dem Strich überhaupt lohnen kann. Aufgrund der versprochenen Prämie kostet dieser Kundenanteil, den das Haus vorher ohne Prämienzahlung als Stammkundschaft hielt, jedoch Geld in Form der Prämie. Eine durchaus verzwickte Situation. Denn fraglich ist zudem, ob die mittels Aktion gewonnen Neukunden überhaupt die wirtschaftlich betrachtet vielversprechenderen Kunden sind als die verloren gegangenen. Dieser Effekt verstärkt den bereits beschriebenen Kostendruck der betreffenden Bank nochmals.

 

Fazit

Die derzeit anzutreffenden Neukundenangebote verschiedener Banken erscheinen durchaus verlockend. Spielen Sie mit Gedanken eines Wechsels, sollten Sie allerdings immer das "Gesamtpaket" betrachten. Beziehen Sie eventuell vorhandene Bedingungen zur Gutschrift einer Prämie unbedingt in Ihre Entscheidung mit ein. Zudem sollten Sie auch die beschriebenen negativen Effekte berücksichtigen. Denn dass darunter letztlich die Service-Qualität der Häuser leiden muss, ist Fakt.