Kreditkarten: VISA und Mastercard bald nicht mehr in Russland nutzbar?

28.05.2014
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Nun schon fast einen Jahr schwelt der Konflikt in der Ukraine - mit ganz verschiedenen Auswirkungen. Zum einen sind das menschliche Leid und die Gewalt vor Ort zu beklagen, die sicher auch viele Unschuldige treffen. Andererseits gibt es aber auch auf politischer und wirtschaftlicher Ebene immer neue Auseinandersetzungen, deren Ausgang noch abzuwarten bleibt. Eines der Konfliktfelder ist der Einsatz amerikanischer Kreditkarten in Russland bzw. für russische Bürger.

Angesichts der von EU und USA wegen der Ukraine-Krise gegen Russland verhängten Sanktionen gegen die Rossija-Bank stellten Mastercard und VISA Ihre Dienstleistungen gegenüber diesem Bankhaus ein. Folglich waren auch dessen Kunden betroffen. Der Grund für den Stopp der Dienstleistungen lag darin, dass die Bank als Hausbank enger Verbündeter Putins gilt. Putin entgegneter dieser Verfahrenweise Ende März mit der Ankündigung eines eigenen russischen Kreditkarten-Zahlungssystems. Zudem brachte er ein Gesetz auf den Weg, das es ausländischen Kreditkartenunternehmen fast unmöglich machen dürfte, zukünftig ihre Dienste auch in Russland rentabel anbieten zu können.

 

Neues Gesetz schon ab Juli

Offensichtlich ist, dass es das bereits ab 01.07.2014 in Kraft tretende Gesetz ausländischen Kreditkartenanbietern ganz offensichtlich erschweren soll, in Russland tätig zu sein. Denn es sieht die Hinterlegung einer Kaution vor - einer enorm hohen Kaution. Nach Angaben der Zeitung Moscow Times, die sich auf Berechnungen von Morgan Stanley beruft, müssten Mastercard und VISA bei der Zentralbank Russlands insgesamt 2,9 Milliarden US-Dollar hinterlegen, wenn sie dort weiterhin tätig sein wollen. Dies entspricht etwa dem Fünffachen des Jahresgewinnes beider Unternehmen. Andere Quellen sprechen gar von 3,8 Millionen US-Dollar, die dafür nötig wären. Zudem müssten eigene Rechenzentren gebaut werden, um ein Geschäft wie bisher zu ermöglichen.

Angesichts dieser Summen stellt sich die Frage, ob das Angebot von Kreditkartendienstleistungen in Russland für VISA und Mastercard unter diesen Bedingungen überhaupt noch lohnenswert wäre. Laut Morgan Stanley kommt hinzu, dass die beiden Anbieter bisher nur etwa drei Prozent (VISA) bzw. zwei Prozent (Mastercard) ihres Jahresumsatzes in Russland generierten. Dies sind Werte, angesichts derer die Unternehmen bei konsequenter Umsetzung des neuen Gesetzes auf ein weiteres Engagement in Russland wohl eher verzichten würden.

Aus russischer Sicht hingegen könnte der vollständige Abzug von VISA und Mastercard durchaus ein echtes Problem bedeuten. Denn die beiden zu den weltgrößten Kreditkartenanbieter gehörenden Unternehmen wickeln derzeit ca. 90 % des russischen Zahlungsverkehrs ab. Zwar kündigte Putin wie erwähnt bereits die Einführung eines eigenen Kreditkarten-Zahlungssystems an. Allerdings ist praktisch auszuschließen, dass dieses bis zur Einführung der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen am 01. Juli schon funktionieren kann. Zumindest Mastercard hat mittlerweile offiziell Stellung bezogen. Das Unternehmen werde die neuen gesetzlichen Regelungen genau prüfen und möchte zusammen mit den russischen Behörden eine Lösung finden, damit auch dort ein weiteres Angebot von Kreditkarten-Dienstleistungen möglich ist. Ob es tatsächlich zu einer Einigung kommt, bleibt sicher abzuwarten.