Lebensversicherung: Erträge unter dem Garantiezins möglich?

18.04.2014
Bildquelle: © Jyothi | Dreamstime Stock Photos

Schon immer gilt die kapitalbildende Lebensversicherung als eine der hierzulande am häufigsten genutzten Altersvorsorgeverträge. Das liegt an ihren Vorteilen. So ist es vor allem die Kalkulierbarkeit ihrer Erträge, die uns Deutschen gefällt. Denn es existiert ein Ertragsniveau, das jeder Versicherer grundsätzlich garantieren muss. Dieser Fakt ist sogar gesetzlich festgelegt. Doch genau dieser sogenannte gesetzliche Garantiezins könnte laut Ratingagentur Moody’s bald nicht mehr erreicht werden. Noch bis vor einigen Jahren ein durchaus unvorstellbares Szenario.

Veränderte Rahmenbedingungen mit weitreichenden Auswirkungen

Der gesetzliche Garantiezins wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Sein Niveau orientiert sich dabei an der sogenannten Umlaufrendite zehnjähriger öffentlicher Anleihen im europäischen Raum. Zu Beginn 2012 wurde der Garantiezins von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent gesenkt. Aktuell liegt er damit noch knapp über der aktuellen Rendite zehnjähriger Bundesanleihen. Allerdings wird diskutiert, ob für das Jahr 2015 eine weitere Absenkung auf 1,5 Prozent oder sogar 1,25 Prozent sinnvoll sein könnte. Wahrlich keine guten Aussichten für uns Verbraucher. Allerdings gilt ein gesenkter gesetzlicher Garantiezins nicht für bestehende Policen.

Doch angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Situation sind die Analysten der Ratingagentur Moody’s der Ansicht, dass auch der Garantiezins bestehender Verträge in Deutschland als gefährdet anzusehen ist. Da Inhaber älterer Lebensversicherungen vom jeweils zum Abschlusszeitpunkt gültigen Mindestzins profitieren, könnten Versicherer dadurch möglicherweise in finanzielle Schwierigkeiten kommen.

Der Grund dafür liegt in den innerhalb der letzten Jahre immer weiter gesunkenen allgemeinen Marktzinsen. Laut der Untersuchung von Moody’s liegt der durchschnittliche Garantiezins der Versicherungsbestände hierzulande bei 3 bis 4 Prozent. Dies führe zum Konflikt, da die zur Bedienung älterer Verträge nötigen Erträge derzeit kaum erzielt werden können. Auch die für bestehende Verträge gültigen Garantieerträge seien dadurch nicht mehr sicher.

 

Versicherungsbranche versucht zu beruhigen

Aktuell hält die Versicherungsbranche an ihrer Meinung fest, dass Sie in der Lage ist, für ihre Kunden weiterhin Erträge über dem gesetzlichen Garantiezins zu erzielen. „Unser Ziel ist es, die Kapitalmarktschwankungen in sehr gleichmäßige Rendite umzuwandeln“, meinte Thomas Krüger, der als Vorstandsmitglied der VGH Versicherungen in Hannover tätig ist. In diesem Zusammenhang betonte er, dass die Versicherer immer noch große Bestände an Anleihen mit langen Laufzeiten und zum Teil noch mit Coupons von mehr als 4 Prozent im Besitz hätten. Die daraus resultierenden Erträge sollten nicht unterschätzt werden. Laut Krüger wären die deutschen Versicherer dauerhaft in der Lage, eine Phase historisch niedriger Zinsen dauerhaft auszuhalten.

 

Fazit

Wenn Sie derzeit mit dem Gedanken spielen, eine kapitalbildende Lebensversicherung zur Altersvorsorge zu nutzen, sollten Sie sich vor dem Vertragsabschluss genau erkundigen. Denn allein auf von Lebensversicherern versprochene Überschussbeteiligungen können wir Verbraucher uns schon lange nicht mehr verlassen. Nutzen Sie vielmehr einen Anbieter, der auch in den letzten Jahren möglichst kontinuierliche Erträge erwirtschaften konnte. Angesicht der möglicherweise anstehenden Absenkungen des Garantiezinses sollten Sie einen solchen Vertrag zudem möglichst noch in diesem Jahr abschließen, um wenigstens von den aktuell noch gültigen 1,75 Prozent Garantiezins profitieren zu können.